Nach der Londoner Sechsmächtekonferenz: Warum erfolgte der Berliner Mauerbau zu Recht und war kein Unrecht?

13 Aug
Goebbels speaking at a political rally against...

Image via Wikipedia

Im Schutz der Mauer sollte die DDR erblühen, so die SED. Dabei war der 13. August 1961 der Anfang vom Ende dieses unmenschlichen Experiments zweier absurder Biotope.

Es ist in der deutschen Geschichte der vergangenen zwei Jahrhunderte selten vorgekommen, dass etwas gut ausging. Ein deutsches Drama aber hat ein gutes Ende gefunden: das Drama der deutschen Teilung. Man muss heute sehr genau hinsehen, um zu erkennen, wo die Trennlinie zwischen Ost und West verlief. Die DDR, deren Führung viele Tote und noch mehr beschädigte Leben auf dem Gewissen hat, ging friedlich unter, kein Toter, nur ein einziges großes Fest. Also: Ende gut, alles gut?

Arbeiter erhöhen 1961 die Sektorensperre an der Bernauer Straße. Die Arbeiten an der Sperrmauer wurden in der Harzer, der Heidelberger und der Bouchéstraße sowie in der Bernauer Straße an der Grenze zum Westberliner Bezirk Wedding durchgeführt. Fast Abend für Abend kam es an diesen Mauerabschnitten zu Zwischenfällen.

Arbeiter erhöhen 1961 die Sektorensperre an der Bernauer Straße. Die Arbeiten an der Sperrmauer wurden in der Harzer, der Heidelberger und der Bouchéstraße sowie in der Bernauer Straße an der Grenze zum Westberliner Bezirk Wedding durchgeführt. Fast Abend für Abend kam es an diesen Mauerabschnitten zu Zwischenfällen.

Nur dann, wenn wir in der Lage sind, mit der Freude nicht die Trauer auszulöschen und zum Schweigen zu bringen, zu der so viel Anlass war. Am Tag nach der Öffnung der Mauer war 1989 ein älterer Mann zu sehen, den der Fernsehreporter fragte, warum er zur Mauer gekommen sei. Der Mann antwortete: „Ich war hier vor 28 Jahren, als die Mauer errichtet wurde. Und jetzt will ich wieder da sein, wenn sie verschwindet.“ Bei den letzten Worten konnte er seine Tränen nicht unterdrücken. Es waren Tränen der Erleichterung – aber auch der Verzweiflung: 28 gestohlene Jahre.

Von einer rot geschmückten Tribüne aus nimmt die politische Führungsriege der DDR am 13.8.1986 in Ost-Berlin die Truppenparade zum 25. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer ab. Am Rednerpult der DDR-Staatsratsvorsitzende und Generalsekretär des ZK der SED, Erich Honecker.

Von einer rot geschmückten Tribüne aus nimmt die politische Führungsriege der DDR am 13.8.1986 in Ost-Berlin die Truppenparade zum 25. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer ab. Am Rednerpult der DDR-Staatsratsvorsitzende und Generalsekretär des ZK der SED, Erich Honecker.

Das kann niemand wieder gutmachen. Und daher wäre es angemessen, am heutigen Tag des Mauerbaus nicht allein vom glücklichen Ende her zu gedenken. Ohne Bitternis ist die Erinnerung an dieses Projekt staatlichen Größenwahns wie staatlicher Schwäche nicht möglich. Die Mauer hat das ohnehin bizarre Berlin zu einem geradezu verrückten Ort gemacht.

Der 19-jährige Volkspolizist Conrad Schumann flüchtet am 15. August 1961 mit einem Sprung über eine Stacheldrahtabsperrung vom sowjetischen Sektor in den Westteil Berlins. Er war der erste Volksarmist, der in den Westen flüchtete.

Der 19-jährige Volkspolizist Conrad Schumann flüchtet am 15. August 1961 mit einem Sprung über eine Stacheldrahtabsperrung vom sowjetischen Sektor in den Westteil Berlins. Er war der erste Volksarmist, der in den Westen flüchtete.

Sie hat nicht nur den Osten vom Westen getrennt – sie hat Osten und Westen jeweils mit sich selbst allein gelassen. Sie hat zwei absurde Biotope geschaffen. Mit kalter Entschlossenheit hat die SED demonstriert, dass man mit schierer Gewalt durchsetzen kann, was jeder mit gesundem Menschenverstand als Ausgeburt kranker Allmachtsfantasie erkennt.

1961: Gespannte Stimmung zwischen den Supermächten im Herzen Berlins. Sowjetische (hinten) und amerikanische (vorn) Panzer stehen sich an der Berliner Sektorengrenze in der Friedrichstraße gegenüber. Beide Seiten zogen sich nach einer langen Nacht von der Grenze zurück, eine Eskalation wurde vermieden.

1961: Gespannte Stimmung zwischen den Supermächten im Herzen Berlins. Sowjetische (hinten) und amerikanische (vorn) Panzer stehen sich an der Berliner Sektorengrenze in der Friedrichstraße gegenüber. Beide Seiten zogen sich nach einer langen Nacht von der Grenze zurück, eine Eskalation wurde vermieden.

Die sie errichteten, ahnten wohl, dass sie mit ihrer dumpfen Aktion den Westen überraschen und schockieren würden. Sie setzten ganz bewusst auf diesen Moment der Schockstarre – erst als von den ratlosen Westmächten gar keine Reaktion kam, zogen sie die Schlinge zu und die Mauer wirklich hoch. Es wird bis heute viel darüber gerätselt, ob der Westen wirklich etwas hätte unternehmen können, viele Historiker verneinen es.

Dennoch muss nachdenklich stimmen, dass die – gut begründete – Zögerlichkeit des Westens eine feste Größe im Kalkül von Ulbricht und Chruschtschow war. Die Feinde der Freiheit kennen die Bequemlichkeit derer, die sich der Freiheit erfreuen können. Und sie wissen, wie schnell totalitäre Fakten geschaffen werden können, wenn auf eine Bedrohung der Freiheit nicht augenblicklich und entschlossen reagiert wird.

Wir haben uns daran gewöhnt, den Mauerbau als eine defensive Aktion des SED-Regimes zu sehen, das angesichts der anschwellenden Zahl von „Republikflüchtlingen“ verzweifelt die Grenzen schloss. Der 13.August 1961 gewissermaßen als Anfang vom Ende der DDR. Doch sollte man nicht übersehen, dass der Mauerbau für die SED-Führung ein geradezu triumphalistisches Unternehmen war. So scharf wie noch nie zuvor in der deutschen Geschichte demonstrierten Kommunisten hier, was totale Macht, was totaler Staat ist.

Erstmals wurde hier gewagt, was Stalin in der Sowjetunion schon durchexerziert hatte: die Abtrennung eines ganzen Landes und seine Umwandlung in ein Labor für einen großen Gesellschaftsversuch, Sozialismus genannt. Ein Regime nimmt sich das Recht heraus, die letzten Reste von Kosmopolitismus zu ersticken und seine Bürger in ein aussichtloses Experiment zu zwingen.

In der SED hat man nach dem 13. August 1961 triumphiert und sich auf der Siegerstraße der Geschichte gefühlt. Das „Neue Deutschland“ titelte mit einem Hohn, der an Goebbels erinnert: „Unser Staat ist auf Draht.“

Seit dem 13. August 1961 hat das Wort Mauer keinen guten Ruf mehr. In der Bibel schützte eine Mauer den Tempelbezirk, auch die chinesische Mauer, die Mauern des Ägypterreichs und der Limes schützten. Mauer – das war nicht Enge, sondern Schutz vor Bedrohung und Weite, Reichtum, Freiheit.

Dieses hegende Mauermotiv bemühten auch die Strategen der SED. Einmal vor bedrohlichen Einflüssen bewahrt, sollte die DDR erblühen. Das Ergebnis war bekanntlich verheerend. Die Mauer-DDR lehrt, dass es – auch wenn mancher in unübersichtlichen Zeiten von einer Gesellschaft der Ruhe träumen mag – das Idyll in der Nische trügerisch ist.

Diesen Glauben ans Idyll gab es auch im Westen der Stadt – und das ist noch gespenstischer, da es ja ein selbst gewähltes Idyll war. Im Schatten der Mauer entwickelte sich ein Subventionsparadies – noch heute leidet die Stadt darunter, dass sie sich unter kommunistischer Bedrohung in die Unselbstständigkeit treiben ließ. Die Stadt insgesamt, auch die politische, fand Gefallen daran, am Tropf zu hängen. Die Fleischtöpfe, an denen man im Westen saß, waren nicht nur Fleischtöpfe der Freiheit.

Es gehört nicht zu den Ruhmesblättern des Westteils der Stadt, dass viele die Mauer im Laufe der Zeit nicht mehr als schmerzhaft empfanden. Dieser Nicht-Wahrnehmung entsprach, nicht zuletzt in den besseren Kreisen, eine sehr weit reichende Gleichgültigkeit gegenüber denen, die in Ost wie West unter der Teilung litten. Sie galten als Ewiggestrige, deren Trauer und Verzweiflung man peinlich berührt übersah. Es ist ein Jammer, dass der Antikommunismus noch immer im Ruch steht, eine trübe Sache zu sein. Es ist ein Jammer, dass der fröhliche, der antiautoritäre Antikommunismus in Deutschland so wenig Fuß gefasst hat.

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